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Samstag, 14. September 2019

Abschließen - können?

"Mein kleiner Kamerad, so ist das eben,
Da gibt's auch keine Extrawurst für uns:
Es trennt die besten Freunde, dieses Leben,
Und irgendwann macht es Erwachsene aus kleinen Jungs."


So singt Reinhard Mey in seinem Lied "Kleiner Kamerad".
Die Musik von Reinhard Mey liebe ich schon seit vielen Jahren. Seine lustigen, vor allem aber seine nachdenklichen Texte. Ironischerweise hat meine Mutter mich mit seiner Musik in Berührung gebracht, sie gab mir auch seine ersten Platten zu hören.
Und jetzt habe ich mit diesem Zitat meine Beziehung zu meinen Eltern beendet, mich praktisch von ihnen scheiden lassen. 
In heutiger Nomenklatur kann man sagen, meine Beziehung zu den Eltern ist "kompliziert". Ja, das trifft es. Ich habe ihnen jahrelang meine bedingunglose, uneingeschränkte Liebe und Zuneigung vor die Füße gelegt. Sie haben sie mit eben diesen getreten und mich verspottet, beleidigt, beschimpft und schlicht fallen gelassen. Schon vor vielen Jahren hatte meine Mutter mich über Wochen mit Nichtachtung gestraft. Damals war ich 16 Jahre alt! Sie sprach gerade mal das Nötigste mit mir. 8 sehr sehr lange Wochen lang. Ihr, der ausgebildeten Pädagogin, war ihr eigenes gekränktes Ego so viel wichtiger als mein Leben! Kein "Ach, eine pubertäre Entgleisung", wie sie es später bei meinem Bruder einfach hingenommen hat, wenn er sich daneben benahm. Nein, ich musste es büßen, mich ihr gegenüber in ihren Augen ungebührlich benommen zu haben. Bis zum Äußersten. Ernsthaft, hätte mich damals ein Herr der Psychologischen Beratungsstelle nicht unterstützt, ich wäre damals schon einfach krepiert.
Und tatsächlich, Jahre später: das selbe Spiel. Ich tanzte nicht nach ihrer Pfeife - sie ließ es mich ausbaden. Und es brauchte nochmal über 10 Jahre, bis ich mir selbst soviel wert geworden bin, mich von ihr (und meinem Vater) zu lösen. Mir klarzuwerden, dass sie mir nicht gut tun. Mein Leben ist endlich - wieso es mit Menschen verbringen (oder: vergeuden), die nicht gut für einen sind? 
In einer tagelang ausgefeilten, wohlformulierten Mail kündigte ich ihnen die Eltern-Kind-Beziehung auf. Sie haben sich seither nicht mehr gemeldet, damit ist es wohl besiegelt. Schade? Ja. Traurig? Sicher. Aber nicht nur für mich. Für sie auch. Ohne arrogant klingen zu wollen. Sie verpassen was. Denn klar, sie hätten ihre Tochter so oder so verloren. Aber sie hätten die Chance gehabt, einen zweiten Sohn zu haben.